KIENBÖCK ATROPHIE
Kienböck-Atrophie
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Manche Autoren schreiben den "Begriff "Kienböck Atrophie" auch mit Bindestrich (Kienböck-Atrophie)

Die Erkrankung ist benannt nach Robert Kienböck, er war Röntgenologe in Wien und lebte von 1871-1953.

Nach Kienböck sind noch zwei weitere Krankheiten benannt:

  • Das Kienböck Lendensyndrom beschreibt eine postmenopausische (= nach Ausbleiben der Regel eintretende) Osteoarthrose (= Arthrose) der Wirbelsäule am lumbosakralen Übergang (= Übergang von der Lendenwirbelsäule zum Kreuzbein).

  • Kienböck Malazie - Hinter diesem Begriff verbirgt sich die sog. Lunatummalazie (= der sog. Mondbeintod)

Der Begriff "Kienböck Atrophie" ist eine veraltete Bezeichnung für den Mor bus Sudec k. Allerdings ist auch diese Bezeichnung nicht mehr zeitgemäß. Die neue Bezeichnung der International Association for the Study of Pain lautet: CRPS Typ I = Complex Regional Pain Syndrome (Reflex Sympathetic Dystrophy Syndrome) - bzw.: Komplexes regionales Schmerzsyndrom Typ I

Diese Internetseite ist den Besuchern gewidmet, die das ko mplexe regionale Sch merzsyndrom unter dem Begriff "Kienböck Atrophie" gesucht haben.

Was ist eine Kienböck Atrophie?

Bei der Kienböck Atrophie* liegt eine Algodystrophie (= schmerzhafte Organstörung) in ausgeprägter Form vor. 
Die
Kienböck Atrophie beruht auf einer Zirkulationsstörung mit anschließender Bildung von schrumpfendem Bindegewebe und nachfolgenden bleibenden Funktionsstörungen. Die Art der Gewebsveränderungen läßt an eine lokal begrenzte vegetative Entgleisung denken (Debrunner 1988), es liegt eine lokale (= örtliche) Stoffwechselstörung vor.

Wie sieht eine Kienböck Atrophie z.B. im Fußbereich aus?

Aufgrund der Zirkulationsstörung sind die betroffenen Partien meist bläulich livide verfärbt und ödematös (= aufgequollen) verändert. Typischerweise glänzt die Haut und geht häufig mit einer vermehrten, lokalen (= örtlichen) Schweißbildung einher.

Das Schmerzbild

Die Patienten klagen über einen diffusen, heftigen Brennschmerz, ähnlich wie bei einer Kausalgie (= Schmerzen nach Nervenverletzung). Häufig besteht eine Hyperästhesie (= Sensibilitätsstörung als Überempfindlichkeit gegenüber allen örtlichen Reizen) bis hin zu Allodynie (= Berührungsschmerzen schon bei leichter, normalerweise nicht schmerzhafter Berüh rung).

Mögliche Spätfolgen

Beteiligte Gelen ke versteifen. Besonders gravierend ist eine Kienböck Atrophie im Bereich der Han d, weil sie dort häufig zur Invalidität führt.

Ursachen

Zu einer Kienböck Atrophie kann es nach jeder, auch geringer Ar m- oder Beinverletzungen kommen. Im Bereich der unteren Ext remität (= Bei ne) tritt die Kienböck-Atrophie bevorzugt im Bereich der Hüf te, des Knies und des Fußes auf. Da eine Kienböck Atrophie aber nicht zwingend nach jeder Verle tzung auftritt, muß es eine individuelle Kran kheitsdisposition (= Anfälligkeit für eine Kran kheit) mit besonderer vegetativer (= das unwillkürliche Nervensystem betreffende) Labilität geben. Manche Autoren vermuten auch eine psychische Labilität.
Häfliger J. hat für die 6. Zürcher Schmerzkonferenz (1997) eine Literaturrecherche durchgeführt und dabei festgestellt, dass psychische Symptome wie Depressivität, Ängstlichkeit, eine Somatisierungstendenz, Aggressionshemmung, emotionale Labilität u.a. bei Patienten mit einer
Kienböck-Atrophie häufig vorzufinden sind (Quelle: www.morbus-su deck.ch)
Die Pathogenese
(= Entwicklung einer Kran kheit) der Kienböck Atrophie ist unbekannt.

Wie häufig kommt eine Kienböck-Atrophie vor?

In der Literatur wird das Risiko, eine Kienböck Atrophie zu erleiden auf 0,05% bis 5% geschätzt. Betroffen sind nur Erwachsene, überwiegend das weibliche Geschlecht zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr.

Der Krankheitsablauf

  1. Akutes Stadium
    Im Vordergrund stehen Schmerzen, auch in Ruhe, Schwellung infolge eines Ödems
    (= krankhafte Flüssigkeitsansammlung) und hochgradige Funktionseinschränkung. Die Haut ist rötlich/bläulich verfärbt und teigig verändert sowie überwärmt.

  2. Dystrophisches (= durch Mangel- oder Fehlernährung bedingte Störungen und Veränderungen einzelner Körperteile betreffendes) Stadium
    Das Gewebe atrophiert
    (= schwindet, bildet sich zurück) und die Schwellung geht zurück. Schmerzen lassen nach und die Temperatur im betroffenen Körperbereich ist herabgesetzt.

  3. Stadium der Atrophie
    Kn ochen und Weichteile sind atrophiert
    (= haben sich zurückgebildet), auch die Mus keln, beteiligte Gelenkkapseln sind geschrumpft. Es besteht eine deutliche Bewegungseinschränkung. Die Haut ist dünn, blaß, beteiligte Kn ochen sind entkalkt (Röntgenbild!).

Wie wird die Diagnose gestellt?

  1. Typische Vorgeschichte ((meist (aber nicht zwingend) nach einer Verletzung oder auch nach einer Operation))

  2. Körperliche Untersuchung - Inspektion (= Betrachtung des Patienten zur Feststellung des körperlichen Zustandes und eventueller krankhafter äußerer Veränderungen) und Palpation (= Tastuntersuchung der Körperoberfläche zur Beurteilung von Konsistenz, Elastizität, Beweglichkeit, Schmerzempfindlichkeit usw.)

  3. Röntgenuntersuchung - Auf dem Röntgenbild sieht man eine typische, fleckige Osteoporose. Nahezu zwingend ist der direkte Vergleich mit der gesunden Seite.

Behandlung der Kienböck Atrophie:

1) Systemisch (= den Gesamtorganismus betreffende) medikamentöse Behandlung:

  • Im akuten Stadium ist Kortison hilfreich, so. z.B. Metylprednisolon über 4-5 Tage 80 mg, dann über 2 Wochen wieder ausschleichen. Zuvor muß allerdings eine "echte" En tzündung ausgeschlossen werden.

  • Trizyklische Antidepressiva (= Mittel gegen die Depression, u.a. aber auch bei der Kienböck-Atrophie hilfreich). Ganz wichtig ist, daß der Patient über eine solche Verordnung aufgeklärt werden muß, denn damit soll primär nicht seine Psyche behandelt werden, sondern diese Medikamente wirken auch schmerzlindernd, in dem sie den Serotonin (= ein Gewebshormon)/ Noradrenalin (= Hormon des Nebennierenmarks) Re-uptake (= Wiederaufnahme) hemmen und somit der Schmerzentstehung entgegenwirken und auch zu einer Schmerzdistanzierung führen. 
    Empfehlung: Amitriptylin (z.B. Laroxyl®) und Clomipramin (z.B. Anafranil®), bis zu 150 mg/Tag.

  • Bei der Kienböck Atrophie bzw. beim CR PS (Kom plexes reg ionales Schmerzsynd rom) können zur Schmerzbekämpfung eher Antiepileptika (= Mittel gegen die Fallsucht, u.a. aber auch bei der Kienböck Atrophie hilfreich) gegeben werden (Tremount-Lukats et al. 2000). Als wichtigste Medikamente aus dieser Gruppe gelten heute Gabapentin (Neurontin®) und Pregabalin (Lyrica®). Die Aufdosierung kann relativ rasch erfolgen, je nach Toleranz).

  • Die generelle Empfehlung direkter Schmerzmittel ist schwierig, da die Ansprechbarkeit sehr individuell ist. Es sollte deshalb zuvor eine Analgetikaaustestung erfolgen. Meist kommt man aber um die Verordnung zentral (= im Gehirn / Rückenmark) wirkender Analgetika (= Schmerzmittel) nicht herum.

  • Auch die Gabe von Calcitonin (= ein Gewebshormon) soll bei Kienböck-Atrophie günstig sein, die Studienlage hierzu ist aber nicht eindeutig und uns hat die Wirkung nicht überzeugen können. 

  • In der Literatur wird darüber hinaus bei der Kienböck Atrophie die intravenöse Gabe von Biphosphonaten (z.B.Ostac®) empfohlen (Varenna M, et al 2000).

  • Schließlich wäre noch Phenoxybenzamin (Dibenzyran®) zu nennen (Thoden 1987), wir haben aber bisher noch keinen eindeutigen positiven Effekt gesehen, dafür aber nicht unerhebliche Nebenwirkungen.

2) Lokale (= örtliche) medikamentöse Therapie bei Kienböck Atrophie:

  • Fettige DMSO (Dimethylsulfoxid) (z.B. Rheumabene®) -Creme, 4 mal /Tag aufgetragen (Zuurmond WW, 1996)

3) Spezielle Schmerztherapie / Therapeutische Lokalanästhesie

Die konsequente Anwendung der therapeutischen Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) führt bei einer Kienböck Atrophie zu beachtlichen Erfolgen. 
Für den Bereich der Ar me hat sich die Blockade
(= Betäubung) des Ganglion stellatum (= eine vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich) bewährt (auch als GLOA (= mit einem Opium-ähnlichen Medikament)), optimal in kontinuierlicher Form mit Katheter**
Auch die kontinuierliche Blockade des Plexus brachialis mit Katheter** ist sehr hilfreich, zumal das Nervengeflecht des Armes reich an vegetativen Fasern ist, so daß es neben der erwünschten Hemmung der Nozizeption
(= Schmerzreizleitung) auch zu einer Steigerung der Durchblutung kommt und somit die gestörte Mikrozirkulation im Schmerzbereich optimiert wird.


Im Bereich der Be ine (einschließlich Hüf te) kommen bei dieser Kran kheit ebenso kontinuierliche Blockadetechniken** zur Anwendung:

Auch die Ner ven femoral is und ischiad icus führen vegetative Fasern, so daß die erwünschte Sympathikolyse (= gefäßerweiternde und damit durchblutungssteigernde Wirkung) ebenfalls eintritt.
Als nächst höhere Therapiestufe bietet sich dann die kontinuierliche peri (epi)durale
(= rückenmarknahe) Blockade mit Katheter** an.
Die
Kienböck Atrophie erfordert eine längerfristige Blockadebehandlung (mindestens 2 bis 3 Wochen). 

4) Andere, zusätzliche Maßnahmen zur Therapie einer Kienböck Atrophie:

  • Intravenöse Guanethidinblockaden

  • Akupunktur 

  • Als physikalische Therapiemaßnahme eignet sich bei dieser Kran kheit die Ultraschallbehandlung (Thomalske 1991). 

  • Auch die Magnetfeldtherapie kann hilfreich sein.

  • Ganz wichtig sind bei der Kienböck Atrophie therapiebegleitende, intensive krankengymnastische Übungsbehandlungen (auch Lymphdrainagen) und eine funktionelle Ergotherapie. Die krankengymnastische Übungsbehandlungen dürfen aber nicht schmerzhaft sein, weil sich sonst die Blutgefäße zusammenziehen und damit die lokale Stoffwechselstörung begünstigt wird. Optimal ist die Krankengymnastik, wenn durch die eben beschriebene Blockadebehandlung die Schmerzreizleitung weitgehend ausgeschaltet wird.

  • Hypnoide (= bewußtseinsverändernde) Verfahren wie autogenes Training oder progressive Relaxation nach Jakobson aber auch ein Schmerzbewältigungstraining sind eine sinnvolle Ergänzung der Gesamtstrategie.

Neuerdings führen wir bei einer Kienböck Atrophie im Bereich der unteren Extremitäten (= Beine) zusätzlich mit gutem Erfolg die SynOpsis Therapie durch. Die Unterschen kel des Pat. befinden sich dabei in einem mit Wasser gefüllten Gefäß. Über einen Computer werden der Flüssigkeit Schallwellen einer bestimmten Frequenz pulssynchron (= in Ahängigkeit vom Pulsschlag) zugeführt. Es handelt sich dabei um ein sog. syncardiales (= im gleichen Rhythmus) Gefäßtraining. Über eine Verbesserung der Durchblutung wird der lokal (= örtlich) gestörte Stoffwechsel optimiert. Mehr über diese Therapie erfahren Sie hier: www.1-avk.de (einfach anklicken).

Bestehen chronische Schmerzen aufgrund einer Kienböck Atrophie längerfristig, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.

Bei der sog. kontinuierlichen Blockade eines Ner ven mit Katheter wird der dünne Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Ner ven eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht “aufgeschnitten” werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das Lokalanästhetikum (= örtliche Betäubungsmittel) völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Das örtliche Betäubungsmittel wird bei dieser Behandlung so dosiert, dass die grobe Kraft erhalten bleibt, damit begleitend krankengymnastische Übungsbehandlungen möglich bleiben, in manchen Fällen durch die gleichzeitige Hemmung der Schmerzreizleitung dadurch sogar erst möglich werden. Dass die schmerzlindernde Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, daß bei dieser Blockadebehandlung auch die sog. vegetativen Ner ven betroffen sind, woraus eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung und damit Optimierung des lokalen (= örtlichen) Stoffwechsels (besonders wichtig bei einer Kienböck Atrophie) resultiert.
Nach neueren Erkenntnissen vermag diese intensive Blockadetherapie das sog. Schmerzgedächtnis löschen, auch bei Schmerzen aufgrund einer Kienböck Atrophie.
Diese intensive Blockadebehandlung ist aber nur in einer Klinik (Schmerzklinik) durchführbar.

Aktualisiert: k 22.10.05
A
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